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Sonnenaktivität und Geschichte (Solar History) Einführung / Deutsch

Solar History - Ebook out now.

Solar History – Sacha Dobler

Einführung:

Man würde wohl das Gegenteil erwarten: Zeitabschnitte von hoher Sonnenaktivität – die von stabilerem und vorteilhafterem Klima geprägt sind – gehen auch einher mit grösserer Reizbarkeit der Massen, mit Gewalt, Verfolgung und Kriegen. Genauer gesagt, im Laufe des letzten Jahrtausends gab es während der Grossen Sonnen Maxima – die Jahrzehnte mit hoher Sonnenaktivität und mehr Sonnenflecken – 4,6-mal so viele Opfer durch Kriege, Völkermorde und Verfolgung wie in den Grossen Sonnen- Minima. Diese Grossen Sonnen- Minima, die «Schlecht-Wetter-Perioden» dagegen sind Zeitabschnitte geprägt von relativem Frieden, Innovation und Fortschritten im Bereich der Menschenrechte.

Der Korrelation zwischen der menschengemachten Todesrate und Grossen Sonnen Maximum ist r = 0,9 (sehr starke Korrelation).

In den 1920er Jahren entdeckte der russische Wissenschaftler Alexander Tchijevsky, dass erhöhte gesellschaftliche Reizbarkeit, Revolutionen, Krieg und Umstürzte vorwiegend an den Höhepunkten der 11- Jahres Sonnenzyklen stattfinden. Meine Recherchen ergaben, dass was für die 11- Jahresrhythmen gilt, (Schwabe Zyklen), das trifft auch für die nicht periodischen, grossen Sonnenkreisläufe von 200 bis 400 Jahren zu.

Während Tchijevsky feststellte, dass die politischen und kulturellen Ereignisse bei erhöhter sozialer Reizbarkeit in Einzelfällen auch zu positiven Reformen und Umstürzen führte, belegt dieses Buch, dass die Rebellionen und Aufstände an den Höhepunkten der Grossen Sonnen- Maxima meistens in totalitären und  kollektivistischen Systemen, in Mob Gewalt und Imperialismus endeten.

Ein Grosses Sonnen- Minimum ist die Aufeinanderfolge von mehreren schwachen Schwabe- Zyklen (die Zeitspannen von niedriger Sonnenfleckenanzahl und einem reduzierten Sonnen- Magnetfeld sowie hoher kosmischer Strahlung).

Nebst Klimaverschlechterung und Einbussen in der Lebensmittelversorgung sind diese Grossen Sonnen- Minima geprägt von kulturellem Fortschritt, philosophischen Entwicklungen zugunsten von Vernunft, Rationalität und Menschenrechten. Kriege und Völkermorde sind selten in Grossen Sonnen- Minima.

Im diesem Buch konzentrieren wir uns auf die historischen Ereignisse und das menschliche Verhalten der letzten tausend Jahre, in dieser Zeitspanne waren 63% der Kriegsopfer während der Grossen Sonnen- Maxima zu verzeichnen, dagegen nur 13% während der Grossen Sonnen- Minima. Für die vorhergehenden Jahrtausende können die jeweiligen Ausmasse von Gewalttaten nicht ausreichend genau einzelnen Jahrzehnten zugewiesen werden, jedoch ist ein allgemeiner Rückgang von Gewalt in den letzten Jahrtausenden zu verzeichnen.

Somit kann die erhöhte Gewaltbereitschaft in den Grossen Maxima numerisch definiert werden. Dazu fand ich nicht nur eine allgemeine grössere Häufung von Kriegen und Gewalt, sondern auch einen Trend zu irrationalen und besonders sinnlosen Verfolgungen und Massakern.

In Teil 2, in der Nacherzählung der Geschichte des letzten Jahrtausends aus der Sicht der sozialen Reizbarkeit der Massen, wird aufgezeigt wie Massentötungen während der grossen Sonnen- Maxima vorwiegend unter der Herrschaft nicht nur totalitärer, sondern auch kollektivistischer und egalitärer Regime ausgeführt wurden, welche Befreiung von Unterdrückung versprachen und an Gruppenideologien und Mob- Gewalt appellierten.

An den Höhepunkten dieser Grossen Maxima sehen wir nicht nur Eroberungen und Imperialismus, sondern auch Extremismus, Ausrottung von unerwünschten Minderheiten, die Hauptphase der eigentlichen Hexenverfolgung um 1600, sowie sprichwörtliche Hexenjagten. In weiteren: zwei Weltkriege, die Völkermorde der totalitären, kollektivistischen Regime: Nationalsozialismus, Sozialismus/ Kommunismus und aufgeheizte Massen, die scheinbar vergessen hatten, warum sie die «anderen» überhaupt töten wollten.

Der Begriff Solar Historywurde 1994 durch den verstorbenen Astronomen John Eddy eingeführt in: Solar History and Human affairs;der Text bezieht sich spezifisch auf die physikalischen Veränderungen der Sonne. Ich erlaube mir, den Begriff aufzunehmen für den weiterführenden Zusammenhang der physikalischen Geschichte der Sonne und des menschlichen Verhaltens in den Fussstapfen von Tchijevsky.

 

Die wichtigste Phase der Renaissance trug sich 1400 bis 1600 zu, grob übereinstimmend mit dem sogenannten Spoerer Minimum; die Zeit der Aufklärung entwickelte sich in der späten Phase des Maunder Minimums (vor allem ab 1715). Beides waren Zeiten von Klimaverschlechterungen und agrar-ökonomischen Krisen. Die Erste Industrielle Revolution dauerte von ca. 1760 bis ca. 1840. Sie begann bereits am Ende eines Sonnen- Maximums, florierte aber vor allem im Dalton Minimum (1790 – 1830). Im grösseren Zusammenhang stimmte diese aussergewöhnliche Aufeinanderfolge von Grossen Minima überein mit der Kleinen Eiszeit (1450- 1800) und der Entwicklung der modernen Welt, wie wir sie gerbt haben.

Im Klassifizierungssystem von Usoskin et al, 2011 gilt das Dalton Minimum nicht als vollendetes Grosses Minimum, sondern als isolierter Zustand des Sonnen- Dynamos und unvollständigen «Versuch» den Zustand eines Grossen Minimums zu erreichen.[i]

 

Da ein Grosses Sonnen- Maximum im Allgemeinen massgeblich zum agrarwirtschaftlichen Erfolg beiträgt, fördert es Wirtschaftswachstum und Bevölkerungs- Expansion, wodurch viele Grossmachten und Imperien entstehen. Dadurch sind auf vereinzelt Fortschritte in der Volksgesundheit und dem allgemeinen Wohlstand zu erkennen. Dies zeigt sich nicht nur in Bevölkerungswachstum und längerer Lebenserwartung, sondern zu Beispiel auch in der Körpergrösse, die Menschen waren allgemein grösser während der Grossen Maxima der letzten Jahrhunderte.

Aber, eher entgegen der allgemeinen Annahme: in den grossen Sonnen- Maxima die sich meist als «Schön-Wetter-Perioden» manifestieren, gab es höhere Lebensmittelpreise und mehr Ungleichheit der Klassen.

Es werden nicht für jeden einzelnen Trend abschliessende Erklärungen abgegeben, vielmehr wird aufgezeigt, wie sich die Sonnen- Zyklen in verschiedensten Bereichen des sozialen und politischen Lebens abzeichnen.

Solche Regelmässigkeiten der Grossen Sonnen- Zyklen manifestieren sich auch in den Schwabe- Zyklen und wurden nach Tchijevsky’s Tod vielfach bestätigt. Studien in Japan von 1971 und 2011 zeigten eine signifikante negative Korrelation zwischen Sonnenfleckenaktivität und Arbeitslosigkeit.[ii]Also, Schwabe- Minimum: hohe Arbeitslosigkeit. Eine Studie von 1999 zeigte eine moderate Korrelation zwischen Kriegen in einem bestimmten Jahr und der geo-magnetischen Aktivität. [iii]

Die beschränkten sozialen Unruhen, die wir in Sonnen- Minima antreffen konzentrieren sich meist auf lokale Bauernaufstände, meist indirekte Folgen von Missernten, Lebensmittelkrisen und Kampf um Ressourcen. Versorgungsengpasse und daraus folgende Konflikte haben in der Vergangenheit zu Bevölkerungsreduktion und zum Umsturz lokaler Regierungen geführt.

Im Gegensatz dazu wurden die gross angelegten Konflikte, getrieben von hoher Reizbarkeit der Massen und Gruppenhysterie vorwiegend während der Grossen Sonnen- Maxima beobachtet.

Alexander Tchijevsky ordnete erfolgreich soziale Unruhen diesen Höhepunkten der Schwabe- Zyklen zu. Er hatte jedoch die akkumulierten Opferzahlen der einzelnen Ereignisse nicht quantifiziert, seine Erwägungen konzentrierten sich auf die jeweilige Motivation und die Bereitwilligkeit, mit der die Massen zu Gewaltexzessen und Revolten aufgehetzt werden konnten (in einigen Fällen auch zu positiveren Ergebnissen).

Er lieferte keine Ausführungen zu den Hintergründen oder den langfristigen Konsequenzen dieser Umwälzungen. Durch seine eigene Situation in einem totalitären und kollektivistischen Staat war er nicht in der Position, offen zu hinterfragen ob die Bolschewik Revolution über das ziel hinausgegangen war und ob sie in einer Diktatur geendet hatte. Hätte er dies getan, wäre er schon früher in einen Gulag deportiert worden, bevor er seine Arbeiten publizieren konnte. Er hatte sich niemals negativ über das Sowjet Regime geäussert. Wie wir später sehen werden, ging Tchijevsky in ein Arbeitslager lediglich, weil er postuliert hatte, die revolutionäre Energie von 1905 und 1917 sei von hoher Sonnenaktivität geschürt worden.

 

 

In Teil III werden wir sehen, dass viele Nebenerscheinungen der Sonnen- Maxima in den Historischen Berichten vorzufinden sind, etliche davon gingen einher mit Gewalt Exzessen und Kriegen. Wir finden gut dokumentierte aussergewöhnliche Aurora-Erscheinungen während Kriegen und einzelnen Schlachten, sowie Sonnenstürme und aussergewöhnliche Sonnenflecken bei historischen Ereignissen.

 

Korrelation ist nicht gleich Kausalität

Viele Menschen sind vertraut mit diesem fundamentalen Prinzip von objektiven, wissenschaftlichen Nachforschungen. Im vorliegenden Fall ist der Zusammenhang bedeutend, und kann nicht leichtfertig als Zufall abgetan werden. Trotzdem werde ich nicht versuchen, den Leser von der höchst wahrscheinlichen Ursächlichkeit zu überzeugen, genauer: das Verhalten der Sonne beeinflusse das menschliche Verhalten und den Verlauf der Geschichte massgeblich. Stattdessen versuche ich es mit einem Gleichnis: Nehmen wir an, an Vollmondtagen gäbe es mehr Verkehrsunfälle. Tatsächlich zeigen Studien, dass es zwei Spitzenzeiten von vermehrten Unfällen im Mondzyklus gibt: eine am Tag nach dem Neumond und eine stärkere am Tag um den Vollmond. Dies liegt ‘knapp unter der 5%-Grenze der statistischen Signifikanz, p> 0,05’.[iv]

Medizinisches Personal in Notaufnahmen sagen, sie würden sich bei Vollmond auf arbeitsreiche Nächte mit Überstunden vorbereiten, aber nicht bei Neumond, also scheint der Zusammenhang nicht offensichtlich zu sein.

Nehmen wir an, es gäbe eine Zunahme nur an Vollmondtagen. Wenn es hypothetisch ein erhöhtes Auftreten von Verkehrsunfällen um 5% in der Woche um den Vollmond gäbe, wäre dies interessant, hätte aber kaum Auswirkungen für das alltägliche Leben auf Erden.  Würden Sie etwas anders machen bei Vollmond?

Stellen Sie sich aber vor, es gäbe in der Vollmondwoche 4,6-mal so viele Verkehrsunfälle (+ 360%) wie in der Leermondwoche, dann währe Autofahren bei Vollmond wahrscheinlich gesetzlich eingeschränkt. Jedenfalls würde niemand argumentieren: «Nun, wir wissen nicht wie dies alles funktioniert, und Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Also, nicht beachten und weiterfahren sie bisher».

 

Zukunft

Eines Tages werden wir in das nächste Grosses Sonnen- Minimum eintreten (der gegenwertige Verlauf der Sonnenaktivität deutet darauf hin, dass dies in den nächsten Jahrzehnten eintreten wird und der Prozess bereits begonnen hat).

Wann auch immer der endgültige Übergang stattfindet – vorausgesetzt der Trend der letzten tausend Jahre hält an – werden wir konfrontiert nicht nur mit einigen unangenehmen materiellen Anpassungsprozessen und Klimaverschlechterung – sondern schlussendlich auch mit einer gesellschaftlichen Einstellung von zunehmender Vernunft, Frieden und Rationalität. Dies lässt uns ein Zeitfenster von mehreren Jahrzehnten bis 150 Jahren, in denen wir herausfinden können, wie wir das nächste Aufkommen von Massenmorden und totalitärer Ungerechtigkeit im darauffolgenden Grossen Maximum verhindern können.

Wenn wir erfolgreich sind, können zukünftige Generationen tatsächlich in der friedlichsten und vernünftigsten Zeit der Geschichte leben. Ziel dieses Buches ist es, zum Finden von Lösungen für einen friedlichen Übergang beizutragen.

 

 

[i]Usoskin, I. G., et al; 2011: Grand minima of solar activity during the last millennia. University of Oulu Comparative Magnetic Minima: Characterizing quiet times in the Sun and stars Proceedings IAU Symposium No. 286, 2011

[ii]Otsu A. et al,2006:

Correlations for number of sunspots, unemployment rate, and suicide mortality in Japan; Percept Mot Skills. 2006 Apr;102(2):603-8.

[iii]Persinger, M. 1999: Wars and increased solar-geomagnetic activity: Aggression or change in intraspecies dominance? ; Journal Perceptual and Motor Skills 88 (3 Pt 2):1351-5 · July 1999

[iv]Sitar J.,1994: The effect of the semilunar phase on an increase in traffic accidents. Casopis Lekaru Ceskich. Oct. 10;133(19): pp. 596-598

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